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Raumlufttechnische Anlagen im Krankenhaus

Infektionshygienische Überwachung

In Krankenhäusern sorgen Raumlufttechnische Anlagen (RLT) in den verschiedenen medizinischen Bereichen für die erforderliche Luftqualität. So werden neben einfachen Untersuchungsräumen auch Intensivstationen und mit besonders hohen hygienischen Ansprüchen die OP-Säle durch mechanische Belüftung versorgt. Aufgabe der Lüftungsanlagen in OP-Abteilungen ist neben einer ausreichenden Zuführung von Frischluft sowie der Abführung von Wärme-, Feuchte- und Schadstofflasten, die Herstellung einer möglichst keimarmen Umgebung.

Dieses wird je nach Anspruch an die Keimarmut für eine Operation durch zwei verschiedene Belüftungssysteme erreicht. In OP-Sälen der Raumklasse 1b wird eine turbulente Verdrängungsströmung eingesetzt. Hierbei wird 3-fach gefilterte Zuluft in der Regel über Zuluftauslässe im Deckenbereich oder im oberen Wandbereich relativ ungerichtet in den Raum eingebracht. Die Luft verteilt sich im Raum und wird im unteren Wandbereich abgeführt. Durch die anwesenden Personen und deren Tätigkeit eingebrachte Partikel und Keime werden verdünnt und mit der Abluft abgeführt. Durch eine positive Luftbilanz (es wird mehr Luft in den Raum eingebracht als abgeführt) entsteht ein Überdruck im OP-Saal und ein Eintrag von Verunreinigungen aus angrenzenden Räumen oder Fluren wird verhindert.
In OP-Sälen der Raumklasse Ia für Operationen mit einem besonders hohen Anspruch an die Keimarmut wird mit einer turbulenzarmen Verdrängungsströmung belüftet (TAV).             

Über eine großflächige Lüftungsdecke wird ähnlich einem Wasserfall eine gerichtete laminare Strömung von der OP-Decke zum OP Tisch erzeugt. Dadurch entsteht direkt am und um den OP-Tisch ein Schutzbereich, der einen Keimeintrag von außen verhindert. Die Abluft wird in Fußbodennähe in der Regel in allen 4 Raumecken abgeführt. Zur Aufrechterhaltung der laminaren Strömung ist ein großer Zuluftvolumenstrom von mehreren tausend Kubikmetern pro Stunde Luft erforderlich. Darüber hinaus muss die zugführte Luft min. 2°C kälter sein als die Raumtemperatur im OP-Saal. Auch hier wird wie bei der turbulenten Verdrängungsströmung mit einer positiven Luftbilanz belüftet um einen Partikeleintrag von Nebenräumen oder Fluren zu verhindern.
 
Die Funktionsfähigkeit der Raumlufttechnischen Anlage ist sowohl bei Inbetriebnahme als auch  jährlich wiederkehrend durch den Betreiber entsprechend der VDI 6022 und DIN 1946 Teil 4 nachzuweisen.
Für OP-Räume der Raumklasse 1b ist hier insbesondere der Recoverytest zu benennen. Hierbei wird eine vorgegebene Partikelkonzentration in den OP eingebracht und die Zeit bestimmt, die benötigt wird um 99% dieser Partikel aus dem OP zu entfernen. Bei OP-Räumen der Raumklasse 1a wird der sogenannte Schutzgrad bestimmt. Hierzu werden innerhalb und außerhalb des Schutzbereiches gezielt Partikel eingebracht.

Schutzgradmessung mit Dummys

Der Einfluss durch das OP-Personal wird durch beheizbaren Dummys (grüne Säulen) nachgestellt.  Auch das Einschwenken der OP-Leuchten wird hierbei erfasst.

Abklatschprobe an der Lüftungdecke der Herzchirugie

Darüber hinaus werden an ausgewählten Stellen in den Kanälen (hier: Lüftungsdecke in der Herzchirugie) sogenannte Abklatschproben entnommen. 

In den Intensivstationen werden die Raumlufttechnischen Anlagen in der Regel zum Schutz des Patienten oder auch zum Schutz der Umgebung eingesetzt. So werden Patienten, die infektionsgefährdet sind, in Räumen mit einer positiven Luftbilanz untergebracht, um sie mit Hilfe des Überdrucks im Raum vor gefährlichen Erregern zu schützen. Auf der anderen Seite werden infektiöse Patienten, von denen Keime ausgehen können in Zimmern mit einer negativen Luftbilanz (Unterdruck) versorgt.
Besonders hohe Anforderungen bestehen z.B. an die Raumlufttechnischen Anlagen für die Versorgung von Brandverletzten. Hier sind je nach Schwere der Verbrennung eine hohe Raumtemperatur und hohe Luftfeuchtigkeit erforderlich, um das Austrocknen und Auskühlen der Patienten zu verhindern.
Der größte Teil der Raumlufttechnischen Anlagen bleibt aber dem Patienten verborgen und befindet sich in den Technikzentralen der Krankenhäuser.
 
Zurzeit befinden sich ca. 70 Raumlufttechnische Anlagen der Raumklasse 1 (OP und Intensivstationen) sowie ca. 320 sonstige Raumluftechnische Anlagen in der Überwachung des Bereichs Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz. Mit der Erweiterung des UKSH werden allein für die OP-Versorgung weitere 23 Raumlufttechnische Anlagen dazu kommen.